Die Büscheholer
Vor Zeiten, als es noch keine Lichtreklame, keine Fähnchen und sonstigen Glimmer gab, der dazu diente, einem Platz oder einer Stadt ein festliches Kleid anzuziehen, griff man grundsätzlich zu den Möglichkeiten, die Mutter Natur lieferte. Der Wachholder und die Tanne dienten, wie auch heute noch, der Erstellung von Girlanden und Bögen und die Birke war das Allzweckverschönerungsmittel. Mit Birkenbüschen wurden zu jeglichen Festen Dielen, Säle und Wege verziert, ja auch mußten sie herhalten schadhafte Stellen an Haus und Hof vor den Blicken allzu neugieriger Betrachter zu verbergen.
Aus dieser vergangenen Zeit stammt auch die schöne Tradition, unsere Heimatstadt zum Schützenfest mit Birkengrün auszukleiden. Zwar haben die Birkenbüsche in unserer schmucken Stadt längst die Funktion der beschriebenen Abschirmung verloren und dienen lediglich der Verzierung. Ein wenig Leben, wenn auch nur für 3 Tage, sollen sie den meist grauplattierten Bürgersteigen verleihen.
Wer einmal nach einem längeren Auswärtsaufenthalt am Schützenfestsamstag in seine Heimatstadt Neuenhaus zurückfährt, kann ermessen, welch heimatliches Gefühl ihn beim Anblick der grüngeschmückten Stadt umfängt.
"Eine ganz Stadt identifiziert sich mit einem großen Fest."
Nun einige Worte zur Durchführung.
Mit freundlicher Unterstützung der Stadtverwaltung, die Unimog und Anhänger zur Verfügung stellt, fährt das Team, inzwischen nicht mehr mit Axt und Beil sondern mit modernen Motorsägen ausgerüstet, in nahegelegene Moore oder Heideflächen, um die ca. 1000 Birkenbüsche einzuholen.
Übrigens, die Naturschützer sehen die Büscheholer gern kommen, da ihnen die Birken, bedingt durch das Fehlen der Schafherden, die die Birkenschößlinge abweideten, die Heideflächen überwuchern und damit zerstören.
Am Freitagabend vor dem Schützenfest wird das Schlagen und Einholen der Büsche, eine sehr schwere Arbeit, durchgeführt. Es versteht sich von selbst, dass man sich nach getanem Werk direkt am Waldrand mit Bier und Klaren eine Verschnaufpause gönnt.
Samstagmorgen, die Bürger unserer Stadt kennen es, werden nun die eingeholten Büsche unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt verteilt. Manchem Bürger, dem diese Tradition ebenfalls ans Herz gewachsen ist, sitzt auch noch eine Mettwurst oder auch 'ne Mark locker in der Hand, die er den Verteilern zusteckt. Ein abschließendes gemeinsames Beisammensein beschließt den Kreis der Aufgaben dieser vielleicht etwas verschworenen Gemeinschaft.